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Phyllostachys

Der Bambus nimmt innerhalb des Pflanzenreichs eine ganz besondere Position ein. Er gehört, botanisch gesehen, zur großen Familie der Gräser. Interessant ist, dass neben den krautartigen Bambusgräsern viele Arten einen strauch- oder auch baumförmigen Wuchs mit langlebigen, verholzenden Halmen und Seitenästen aufweisen. Die tropische Gattung Gigantochloa erreicht z. B. Halmhöhen um 40 m bei einem Rohrdurchmesser von 25 cm. Wenn wir an die Verwendung von robusten, hohen und dickhalmigen Bambus-Arten denken, hat die Gattung Phyllostachys – zumindest in Mitteleuropa – die größte Bedeutung. Sie ist mit etwa 50 Arten in Ostasien und im Himalaja beheimatet. Von den Arundinaria-, Sinarundinaria- und Sasa-Arten unterscheiden sich die Phyllostachys-Arten durch ihre an einer Seite deutlich abgeflachten Halme (daher auch Flachrohr-Bambus). Die meisten Arten breiten sich durch Ausläuferbildung stark aus und benötigen zu ihrer vollen Entwicklung viel Platz. Auch in unseren Gebieten können starkwachsende Formen wie z. B. Ph. viridiglaucescens Halme bis zu 10 m Höhe und Halmdurchmesser von 6 bis 7 cm erreichen. Beachtenswert ist auch die Wachstumsgeschwindigkeit der jungen Rohre. Im Botanischen Garten Hamburg wurden im warmen Sommer 1989 24-Stundenwerte von 42 cm gemessen (in Japan 1 m!). In der Gartengestaltung bietet der Bambus mit seiner faszinierenden Eleganz vielfältige Verwendungsmöglichkeiten. Am schönsten wirken sie als Solitärpflanzen in der Nähe von Gewässern, vor Gehölzrändern, in niedrigen Stauden-, Gräser- und Gehölzpflanzungen, als Riesengräser vor Stahl-, Glas- und Betonkonstruktionen oder als immergrüne Hecke und duftige Kulisse. Mit ihrem frühlingshaften Grün erfüllen sie Gartenräume mit allerfeinsten Stimmungen und beleben wie keine andere Pflanzengruppe unsere winterlichen Gärten. An den Boden stellen die Phyllostachys-Arten keine besonderen Ansprüche. Sie sind pH-tolerant und wachsen auf sandigen wie auch auf lehmigen oder torfig-humosen Böden. Auf staunassen Standorten versagen sie. Will man starke und hohe Rohre, so müssen Wasser und Dünger im Sommer in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Eine Winterabdeckung aus Rinder- oder Pferdedung sorgt nicht nur für gutes Sommerwachstum, sondern gleichzeitig auch für einen Frostschutz, der gerade jüngeren Pflanzungen gut tut. Wer Bambus pflanzt, muss Geduld haben und warten können. Die so langersehnten, starken Halme wachsen erst in 10 bis 15 Jahren. Der Blührhythmus des Bambus ist bis heute ein Geheimnis geblieben. Viele Arten blühen in sehr großen, aber artspezifisch ziemlich genau festgelegten Abständen von 30, 60, 80 oder 120 Jahren. Nach der Blüte und einem überreichen Samenansatz sterben die meisten Arten ab. Im täglichen Leben der Menschen Asiens spielt der Bambus auch heute noch eine herausragende Rolle als Nahrungsquelle und Baustofflieferant. Möbel, Zäune, Baugerüste, Wasserleitungen, Gefäße aller Art, Werkzeuge, Seile, Matten und Hüte werden u. a. aus Bambus hergestellt. Übrigens, die besseren Grammophon-Nadeln wurden früher aus Bambus gefertigt, und in der ersten Glühbirne ­Edisons glimmte eine haarfeine, verkohlte Bambus-Faser.

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